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KUNST ALS WIDERSTAND

22./23.MAI 2026

Interventionen im Öffentlichen Raum

Manaf Halbouni

FREE WAS?

22.Mai: Dreiflüsseeck Passau

23.Mai: Rossfeld Panoramastraße

Mit „FREE Was?" von Manaf Halbouni besteht aus einem schlichten Straßenmast, an dem zwei gelbe Verkehrsschilder befestigt sind. Formal erinnern sie an die typischen wegweisenden Tafeln, die im Straßenverkehr auf die nächste Ortschaft hinweisen. Doch statt geografischer Hinweise tragen sie nur zwei Worte und diese öffnen einen weiten gedanklichen Raum: „Freedom" zeigt in die eine Richtung, „Freedoom" ein bewusst gesetztes Wortspiel aus „free" und „doom" in die entgegengesetzte. Beide Begriffe sind visuell wie semantisch untrennbar miteinander verbunden, doch zugleich unvereinbar. Während „Freedom" das Versprechen von Freiheit, Selbstbestimmung und Offenheit trägt, verweist „Freedoom" auf den Abgrund, der entstehen kann, wenn Freiheit zerstört, instrumentalisiert oder in ihr Gegenteil verkehrt wird. Halbouni legt die Ambivalenz der Gegenwart bloß: dass dieselben Kräfte, die Befreiung ermöglichen, zugleich Untergang hervorbringen können – abhängig davon, in welche Richtung wir uns bewegen. Besonders prägnant wird dieses Spannungsverhältnis durch die Konstruktion selbst. Der Mast ist so befestigt, dass er sich mit dem Wind dreht, ähnlich einem Wetterhahn auf einem Dach. Die Schilder zeigen also nie starr in eine festgelegte Richtung, sondern reagieren auf äußere Einflüsse. Das Werk macht den Wind – ein Sinnbild für politische,

gesellschaftliche und mediale Strömungen zum Mitgestalter der Aussage. In einem Moment mag „Freedom" dominieren, im nächsten dreht sich die Welt, und „Freedoom" weist den Weg. Die Arbeit wird so zu einer poetischen wie präzisen Metapher für unsere Zeit: Freiheit und Verhängnis liegen oft näher beieinander, als es zunächst scheint, und die Richtung, in die wir blicken, ist selten nur unsere eigene Entscheidung.